Lucio von Fasar - Schwarzmagier Magus Magnus!!! (Fasar: Akademie der Geistigen Kraft) 1. Gezeichneter Kalgox, Sohn des Arngrimm - Ambosszwergischer Schmied und Mondschatten 4. Gezeichneter Larati Vaharada - Zahorische Schöne der Nacht und Vertraute der Eidechse 2. Gezeichnete Mara von Garan - Albernische Schwertgesellin nach Adersin Shiahan Kevendoch - Albernischer Sumudiener Thorben Bjoernson - Thorwalscher Pirat und Hetmann 3. Gezeichneter
Unsere Reise führte und von Beilunk in den Süden, weg vom Krieg, wir brauchten alle etwas Ruhe und Abstand nach den Ereignissen und keiner von uns wusste, was wir dort als Einzelne ausrichten sollten. Der Krieg war der Kampf der Armeen und der Heere, das hatten wir in Kurkum erlebt und gerade so überlebt. Mein Herz war noch immer schwer bei dem Gedanken an all die Toten auf unserer Seite. Die Menschheit hatte eine der größten Königin ihrer Zeit verloren und das Volk der Amazonen war fast zerschlagen, ein Kaiserdrache war vergangen und auch die Hälfte der Angroschim an unserer Seite war in die Hallen unserer Väter gezogen und ich konnte nicht einmal einen Segen über einen von Ihnen sprechen, denn es war nichts mehr da, was man segnen konnte. Vergangen im Feuer…..
Wir tragen auf Soldaten, die nach Norden zogen und Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Süden waren. Die Gerüchte über die Schrecken breiteten sich schnell aus und wir sahen nur einen Vorteil darin, niemand könnte jetzt mehr die Rückkehr des Dämonenmeisters anzweifeln. In Gareth erstatteten wir Bericht bei der KGIA und beim Kaiserhof. Erstere hatten uns wohl schon erwartet und unser Eintreffen in der Stadt mitbekommen. Auch merkten wir, dass man uns mehr und mehr erkannte und auch in der Schenke sang eine Bardin gerade das Lied von Helden in Schatten und Licht und erkannte uns als die besungenen. Wir verbrachten einen netten Abend und ich erzählte ihr viel von Ypolita. Diese Frau gehörte in meinen Augen ebenso besungen.
Dann brachen wir nach drei Tagen wieder auf, um nach Punin zu reisen, wir wollten nach Hause. Wollten uns ausruhen und Kraft tanken. Je weiter wir uns der Stadt nährten, desto mehr wurde der Krieg in Tobrien eine Geschichte und viele Gerüchte. An der Stadtmauer selber kamen wir im Gegensatz zu vielen anderen Reisen schnell durch, Vorteil wenn man Bürgerrechte besaß und nach Hause kehrte. Es fühlte sich gut an, wieder in der Stadt zu sein und auch die Begrüßung in unserer Villa war durch die Belegschaft herzlich und freundlich.
Die nächsten Tage leckten wir unsere Wunden, ließen uns kulinarisch verwöhnen und selbst ich gönnte mir einen Besuch im Badehaus, wo die anderen fast täglich waren, um sich zu erholen. Mara nutzte die Gelegenheit mit Ihrem Hengst auszureiten, Lucio kümmerte sich um seine Schwägerin und ich ging meinen vernachlässigten Pflichten als Handwerksmeister nach.
Gemeinsam gingen wir zum Tempel des Raben und baten um einen Termin beim Raben selbst. Erstaunlicherweise erhielten wir schon am nächsten Tag einen Termin und trafen uns mit dem Erhabenen, seinem ersten Sekretär und auch dem Schwingenführer der Golgariten. Wir berichteten, was von den Geschehnissen was seit der Bruderschaft der Schatten in Mirham und Kurkum passiert war und baten um die Aufnahme der Gefallenen in die Gebete in Punin. Die Gespräche waren sehr positiv und man dankte uns für die Informationen und sicherte uns im Gegenzug auch weiterhin die Unterstützung zu. Das Gespräch war positiver als Gedacht und wir fühlten uns genau wie in Gareth deutlich wertgeschätzter als in der Vergangenheit.
In der Stadt mehrten sich mehr und mehr die Gerüchte, dass die Magiergilden und auch die zwölfgöttlichen Kirchen jeweils ein Konvent in Punin abhalten würden mit dem Ziel Gemeinsamkeit zu schaffen im Kampfe gegen Borbarad. Wir schienen mit unserem Wirken in der Vergangenheit wirklich einiges in Bewegung gesetzt haben. Lucio beschloss bei der Akademie in Punin vorzusprechen und seine und unsere Hilfe anzubieten. Auch hier wurde er ohne lange Wartezeit zum Zeremonienmeister Sirdon Kosmaar vorgelassen, der für die Planung des Konvents federführend war.
Auch hier berichtete Lucio von den Geschehnissen und erhielt im Austausch dazu die Information, dass wir als Gezeichnete auch zu dem Konvent eingeladen wurden und als Experten natürlich hier auch gehört werden sollten. Lucio sicherte unsere volle Unterstützung zu – wie immer natürlich ohne Rücksprache, aber so kennen wir ihn ja.
Nach einigen Tagen bekamen wir hohen Besuch in unserer Villa. Eine Hochgeweihte der Rabenkirche in Begleitung von acht Golgariten brachte eine Kiste in unser Haus, ein Geschenk des Raben persönlich und ein Zeichen der Kirche für unsere hohen Dienste. In der Truhe befand sich ausreichend Endurium um daraus je nach Reinheitsgrad und Art der Klingen 2-4 Klingen zu fertigen. Das war wirklich ein wertvolles Geschenk und nicht nur meine Augen leuchteten dabei. Mein Blick ging sofort zu Mara, das wäre eine Möglichkeit ihre bisherige Klinge, so schön sie auch geworden war, durch eine hochwertigere Klinge aus magischem Metall zu ersetzen. Lucios Schwert besaß bereits eine 50%ige Legierung aus Endurium, war verzaubert und mehr als erfolgreich gegen Dämonen. Meine Waffen waren zwar nicht aus magischem Metall aber meinem Gott geweiht, Shiahans Dolch war mit ihm verbunden. Mit viel Glück könnten wir also Mara und Thorben mit neuen Waffen ausstatten und vielleicht sogar noch ein Messer für Larati. Das würde unsere Chancen in Zukunft erheblich verbessern, aber es zeigte auch, dass nicht nur wir davon ausgingen, dass die Zeiten dunkler wurden.
Die Klinge für Mara zu schmieden war ein langer Prozess, ein stilles Gebet an Väterchen Angrosch und an den Herren der Nacht, der mir über die Schulter schaute ob des edlen Stückes. Doch ich spürte auch eine weitere Präsenz mich bei jedem Hammerschlag begleiten, etwas ruhiges und stilles. Der Raum war gefühlt kühler als sonst, obwohl ich die Kohle für dieses Metall bis zum höchsten Temperaturpunkt heizen musste. Erst als ich fertig war und die Klinge in den Händen hielt er kannte ich, wer mich begleitetet hatte, denn in dem Moment stieß ein Rabe einen einzelnen Schrei vor meinem Fenster aus und flog von dannen. Die Kirche des Herren hatte gesagt, dass sie das Metall geläutert hatten, dennoch hatte ich nicht damit gerechnet, dass sich das so extrem auswirken würde. Maras Begeisterung über die Klinge war unglaublich, selten habe ich sie so gut gelaunt gesehen. Es war mit Abstand eine der edelsten Waffen, die ich je geschmiedet oder auch nur gesehen habe. Ich war sehr stolz darauf und freute mich mit ihr.
Zwei Tage nahm ich mir nach der Waffe für Mara Zeit um zu meditieren und wieder Kraft zu sammeln für Thorbens Waffe, ich freute mich schon darauf, wieder mit dem Endurium zu arbeiten. Ich richtete alles in meiner Schmiede ein, zündete Rauchwerk für Phex an und stimmte mich auf das Metall ein, doch schon der erste Schlag auf das Metall fühlte sich anders an….der Geruch von dem Sternanis, der sonst in der Schmiede war verschwand, wurde überlagert von Moder und salziger Luft…ich schaute in den Garten und auch kein Rabe war zu sehen. Dennoch wusste ich der Herr der Rätsel war bei mir und prüfte mich, ich vertraute auf mein Bauchgefühl und schmiedete die Orknase perfekt aus dem Stahl, doch der letzte Schlag auf die Parierstange brachte eine uralte Glyphe der Echsen zum Vorschein, die sich aus dem Metall formte. Ich spuckte auf die Klinge und verweigerte ihr mein Siegel. Niemals würde meine Rune neben der einer Echse sein. „Herr der Nacht, Vätcherchen Angrosch, was habt ihr meinen Hammer schmieden lassen…ich weiß, dass es die Klinge eines Leviathan wird, doch das ist zu viel.“ Am liebsten hätte ich das Metall wieder eingeschmolzen und Thorben gesagt, es wäre nichts geworden und hätte es erneut probiert in einigen Tagen. Doch ich entschied mich dagegen und überreichte ihm seine Waffe. Selbst der sonst mittlerweile recht kühl und emotionslos gewordene Freund freute sich sehr über die Waffe, doch ich konnte mich nicht so recht mit ihm freuen. Mir war so schlecht, dass ich mir an dem Abend einen Antrank und ins Badehaus ging, ich wollte den Geruch und das Gefühl loswerden, dass ich seit dem Schmieden hatte.
Mittlerweile war die Stadt recht voll und auch das Badehaus war überlaufen. Überall Magier und Magierinnen, Tempeldiener aller Kirchen und kaum ein Platz in einer Taverne oder Schenke, sofern man nicht in einer Spelunke absteigen wollte. Immer wieder kam es deswegen auch zu Streitigkeiten mit den Einheimischen oder anderen Reisenden und auch die Magier untereinander kamen nach einigen Krügen Wein in Streitigkeiten, scheinbar sorgten aber die Rohals Wächter hier für Ordnung durch extrem hartes Durchgreifen, nicht gerade sympathisch die Jungs.
Eine Novizen der Rondra brachte uns einen Frontbericht von Ayla von Schattengrund, es war das erste Mal, dass wir über Geschehnisse informiert wurden und nicht nur selber informierten.
Mittlerweile waren auch unsere persönlichen Einladungen zu dem Konvent und zu einem entspannten Abend vor dem ersten Tag eingetroffen. Wir nahmen uns auf Grund der herausgeputzten Mara und Larati eine Kutsche, aber auch die männlichen Gefährten putzten sich heraus. Ich fand dieses ganze Gehabe übertrieben, ich war als Gezeichneter geladen und ich habe mein Zeichen in Rüstung empfangen und werde mich daher in Vinsalter-Gecken-Rüschen kleiden und mich zum Gespött machen. Nach der Tee-Zeremonie in Lucios Kreisen traue ich keiner Stoffkleidung mehr.
Das Stadtviertel war komplett abgeriegelt durch Pikeniere und nur mit Einladung kam man überhaupt zur Akademie durch. Davor hatte sich schon eine lange Schlange gebildet, da die Einlasskontrollen wohl extrem streng waren, aber das war meiner Meinung nach ein gutes Zeichen. Shiahan und ich wurden von einem der Rohals Wächter barsch darauf hingewiesen, das Leibwächtern und Dienern der Zutritt verwehrt sei und deutete auf eine Gruppe solcher, die man dort bis auf die Rückkehr der Herrschaften hatte zum Warten abgestellt. Wir zeigten ihm unsere Einladungen und die gemurmelte Entschuldigung war ungefähr so viel Wert wie der Dreck unter meinen Füßen.
Hinter dem Tor war ein großes weißes Zelt aufgebaut. Pfeile des Lichts holten eine Person nach der anderen rein, der Abstand zwischen den Personen dauerte 2-5 Minuten. Lucio ging als erstes von uns rein und es dauert deutlich länger, fast 10 Minuten vergingen, bis endlich auch Thorben, dann ich, Shiahan, Larati und zum Schluss Mara überprüft wurden. Die Überprüfung hatte es in sich, wir mussten uns fast vollständig entkleiden und wurden auf Dämonenmale und Paktiereranzeichen geprüft und auch die Einladung wurde erneut geprüft. Dann gab es eine Holzscheibe mit Mondsilber, das wir bestanden hatten. In dem Zelt waren 2 Weißmagier für die Prüfung zuständig und vier Pfeile des Lichts, um beim ersten Anzeichen sofort einzuschreiten. Das Problem war nur, dass dies ausschließlich Männer waren und während Larati am schnellsten überprüft wurde dauert das bei Mara sehr lange, da sie da drin vor Wut über den Eingriff in ihre Privatsphäre einen Tobsuchtsanfall bekam, die Magier beleidigte und sich dann trotzig lautstark auszog und ihnen Notgeilheit und ähnliches an den Kopf warf. Hui, die hatte heute wirklich Temperament und Thorben und ich mussten uns das Lachen fast verkneifen bei dem Gezeter.
Lucio stand etwas abseits und diskutierte wild mit dem Zeremonienmeister, als er danach zu uns kam, berichtete er, dass es wohl einen Doppelgänger gibt, der mit seinem Aussehen und einer gefälschten Einladung schon die Kontrollen passiert hatte. Das war natürlich kein guter Start und zeigte, dass auch die Gegenseite hier war, aber das war keine wirkliche Überraschung. Mara beschwerte sich auch bei ihm noch einmal für die demütigende Behandlung und er entschuldigte sich aufrichtig und versuchte zu organisieren, dass auch Frauen mit bei der Überwachung vorhanden waren.
Magister Kosmaar führte uns durch den Garten, um uns einige Personen vorzustellen, auffällig war, dass egal wo wir hinkamen, Gespräche schnell verstummten und man uns beobachtete. Hier gab es alle Arten von Reaktionen, von erfreut über neugierig bis hin zu verachtenden Blicken, doch auch damit hatten wir schon gerechnet. Die Spektabilität aus Punin und die Leiterin der grauen Gilde Prishya von Garlischgrötz war die erste auf der geführten Tour und sichtlich erfreut uns alle kennenzulernen. Lucio und sie hatten sich wohl schon einmal in der Stadt getroffen. Sie dankte für unser Kommen und dass wir mit unserer Anwesenheit die Chancen für einen Erfolg des Konvents auf jeden Fall angehoben hätten.
Als nächstes stellte und Kosmaar Rohezal von Amboss vor. Selbst ich kannte die Legenden um den als unsterblich geltenden Rohalsjünger. Lucio wäre fast vor ihm auf die Knie gegangen vor Ehrfurcht und es begann ein interessanter aber sehr freundlicher Wortwechsel zwischen den beiden. Danach erfolgte die Vorstellung der Spektabilität Olorand von Gareth-Rothenfels aus Perricum und unser alter Freund Thomeg Atherion, der alle von uns sehr freundlich begrüßte, insbesondere sein Liebchen Larathi, was Magister Kosmaar sehr überraschte und kurz aus der Bahn warf. Lucio und Thomeg dagegen begrüßten sich wie gehabt sehr reserviert und kühl, für den einen war es immer noch der Scholar und für den anderen der strenge Meister. Ich glaube die beiden würden diese Schlucht nie überwinden können.
Nach dem Gespräch berichtet uns Shiahan von einer Vision, die er bei der Statue des Basilius des Großen hatte und der Siebenstreich eingeschmolzen hatte. Scheinbar hatte Shiahan dieses Einschmelzen in der Vision miterlebt. Daraufhin untersuchte er auch alle anderen Statuen, doch er konnte bei keiner der Statuen etwas ähnliches erleben und auch wir bekamen keine Visionen zu sehen. Da der Abend schon spät war, ließen wir uns nach Hause fahren von der Kutsche und waren sehr gespannt auf den ersten Tag des Konvents.
Am nächsten Morgen war der Zutritt zur Akademie zweigeteilt, für die Personen, die schon kontrolliert wurden und jene, die es nicht waren. Auf Grund des Doppelgängers beschlossen wir uns mit neuen Schmuckstücken auszustatten, um sicher zu gehen, dass wir einander als echt erkennen würden.
In der Akademie begann der Tag mit einer Rede der Spektabilität, es war die Eröffnung für das Konvent, in dem auf die Wichtigkeit der Gemeinschaft hingewiesen wurde und auch wir wurden vorgestellt. Außergewöhnlich war, dass neben Gildenmagiern auch gildenlose Magier, Druiden, Hexen und Schamanen geladen waren. Das war wirklich überraschend. Natürlich wurden auch die Kirchen herzlich begrüßt und das man hier Brücken bauchen wollte und alte Differenzen beilegen wollte. Auch wurde das Magieverbot ausgesprochen, Zauber waren auf dem ganzen Gelände streng verboten und die Strafe konnte sogar ein Ausschluss aus der Gilde bedeuten. Ein Magier aus Elenvina, Magister Grontius, schien in der Nacht auf der großen Treppe gestürzt zu sein und war verstorben. Ihm zu Ehren würde am nächsten Tag im Borontempel ein Gottesdienst stattfinden. Uns kam der Tod sehr verdächtig vor, auch wenn der Magier nicht mehr der jüngste war, so war der Zeitpunkt extrem verdächtig. Wir sprachen mit Kosmaar und erhielten die Erlaubnis das Zimmer zu durchsuchen, doch da war nichts Verdächtiges zu finde. Misstrauisch blieben wir dennoch.
Tarlisin von Borbra kam auf uns nach der Rede zu und begrüßte uns. Wir unterhielten uns nett und waren froh ihn noch lebend zu wissen. Er berichtete, dass die Suche nach dem Desiderat ein Fehlschlag war und viele Seelen gekostet hatte, da der untote Drache sie aufgespürt hatte und er nur über einen Transversalis entkommen konnte, der ihn jedoch erst drei Wochen später ausgespuckt hatte und das mitten in der Dämonenbrache bei Gareth.
Am späten Vormittag hielt Magister Karjunon Silberbraue – scheinbar ein sehr umstrittener Schwarzmagier - einen Vortrag über die Gefährlichkeit der borbaradianischen Zauber. Lucio fasste den langen Vortrag zusammen für uns in einer Sprache, die auch wir verstanden. Scheinbar bestätigte der Magier, dass Borbarad bei der Verwendung von solchen Zaubern auf den Zauberwirker zurückgreifen konnte. Das war natürlich für viele ein Schock, dem Dämonenmeister so unter umständen zu verfallen. Es gab wohl gegen eine Gebühr eine neue Variante des Zaubers zu erlernen, die diesen Zugriff nicht mehr möglich machen sollte. Der Vortrag war extrem ermüdend und Mara hatte wohl mit die größte Anstrengung nicht einzuschlafen.
Als wir zum Mittagessen gehen wollten, wurde Lucio von einem Elfen angesprochen. Wir wussten bis dahin gar nicht, dass die auch hier eingeladen waren. Es gab wohl einen weiteren Toten. Magister Typhon Orestes aus Bethana – ebenfalls älter – war im Garten plötzlich beim Weintrinken umgekippt und verstorben. Eine Untersuchung durch Shiahan vor Ort zeigte keine Anzeichen auf Gift oder Gewalt, aber es war einfach zu auffällig. Lucio und Shiahan untersuchten das Zimmer später und stellten fest, dass dieses wohl vorsichtig durchwühlt worden war.
Leider konnten wir uns nicht weiter besprechen, Lucio wurde zu einem Gespräch mit den Gilden und einigen Kirchen gebeten, selbst eine Schöne der Nacht war anwesend. Ziel dieses Gespräches war mehr über das Zeichen herauszubekommen, es zu analysieren und auch die Auswirkungen auf den Geist des Trägers und die Zuverlässigkeit beider zu erhalten. Die Meinungen gingen hier stark auseinander, aber die meisten ließen sich überzeugen, dass es wohl wirklich auch im Sinne des Artefaktes war, dass Borbarad vernichtet werden würde. Mara und Shiahan unterstützten Lucio ab der zweiten Hälfte der Befragung moralisch, dass er dort nicht alleine war.
Am späten Nachmittag trafen mehr und mehr Geweihte der Leunin ein und machten regelrechte Werbung für die Zwölfgöttertjoste für Anfang Rondra. Scheinbar war eine Heermeisterin in Tobrien gefallen und eine neue sollte den Traditionen nach bei diesem Turnier ernannt werden. Diese Idee nach einem ritterlichen Kräftemessen während in anderen Teilen des Landes ein Krieg tobte stieß nicht überall auf Zustimmung auch unter den anderen Kirchen. Erstaunlicherweise war es dieses Mal nicht die Praioskirche, die hier dagegen war, im Gegenteil, diese verhielt sich relativ ruhig und eher zustimmend.
Am Abend saßen wir dann noch eine Weile mit Khadil Okharim von der Drachenei Akademie zusammen. Mara hatte um das Gespräch gebeten um seine Expertise für eine Artefaktidee zu hören. Sie wollte ein Armband, dass jeder von uns trug um die anderen im Falle einer Gefahr zur Hilfe zu rufen. Khadil war auf jeden Fall sofort Feuer und Flamme und nicht nur wegen der Herausforderung, sondern natürlich auch wegen des Umsatzes. Bei Gestellung der Materialien in Mindorium – ich hatte noch einiges aus Liscoms Turm – würde er uns das Ganze zum Freundschaftspreis von circa 1.200 Dukaten anbieten. Eigentliche eine stolze Summe und vor einigen Jahren wäre ich wohl vor Schock fast umgekippt, aber mittlerweile waren das Summen, die durchaus bezahlbar waren. Auch wenn uns der Kampf gegen Borbarad einiges abverlangt hatte, lukrativ in monetärer Hinsicht war es schon gewesen.
Nach dem Gespräch wurde Lucio noch zur Gildenratssitzung geladen von einem der Schreiber, auf Nachfrage warum, wurde ihm nur mitgeteilt, dass er als dritter Punkt der Agenda behandelt werden würde, mehr könnte er ihm nicht sagen. Entsprechend nervös war Lucio dann auch vor allem nachdem sein alter Lehrmeister Thomeg Atherion im einen Blick zugeworfen hatte, der Lucio auch das letzte bisschen Selbstvertrauen genommen hatte. Die ersten beiden Punkte waren die förmliche Auflösung der Akademien Tuzaks und Ysilias nachdem diese de facto von Borbarad ausgelöscht und überrannt worden waren. Den dritten Punkt übernahm denn Thomeg selber, der Lucio in den Stand eines Magister Magnus erhob und ihm den höchsten Einhorn Orden verlieh für seine tapferen Verdienste. Wir wären gerne bei der Ehrung dabei gewesen, aber aus irgendeinem Grund sollte das wohl nicht an die große Glocke gehangen werden. Diese Narren… da kannten sie den frisch erkorenen Magister Magnus nicht. Ich glaube er schaffte es schneller als ein flinker Difar diese Nachricht zu verbreiten. Aber natürlich freuten wir uns für ihn, dass seine Taten auch innerhalb der Gilde anerkannt und respektiert wurden. Entsprechend ging die Zeche des heutigen Abends auf seinen Geldbeutel.
Leider erreichte uns vor dem feucht fröhlichen Abend noch die Nachricht der Alchemisten bezüglich der Weinanalyse bei dem zweiten Toten. Scheinbar hatte unsere schnelle Untersuchung Reste von Purpurblitz nachweisen können, so das ganz klar war, dass hier jemand gezielt Magier ausschaltete. Doch warum, die beiden Toten waren keine großen Persönlichkeiten und hatten auch keine wichtigen Ämter inne. Bei Tyhpon Orestes wussten war immerhin das Zimmer durchsucht worden, aber warum ? Hier schien es außer dem höheren Alter keine Übereinstimmungen zu geben. Wir informierten über diese neue Erkenntnis den Zeremonienmeister und gingen dann dennoch auf Lucios Beförderung anstoßen. Immerhin wird er nicht alle Tage zum Magister Magnus ernannt – wie er nicht müde wurde immer wieder zu betonen.
Der nächste Morgen begann mit dem Totengottesdienst für die beiden Magier, der Tempel war überraschend gut besucht, doch die Trauerfeier brachte uns auch nicht weiter. Wir wussten nur, dass derjenige mit Purpurblitz gezeigte hatte, dass Skrupellosigkeit und Gold hier keine Fragen waren, beides war im Übermaße vorhanden. Im Tross der Magier ging es zur Akademie zurück und es folgte ein langatmiger Vortrag über die Gefahren des Limbusreisen, da dieser durch die extrem gestiegene Anzahl an Beschwörungen noch gefährlicher war als sonst, aber das war für uns keine großartige Neuigkeit.
Im Laufe des Vormittags gab es dann noch einen Vortrag oder vielmehr einen Arbeitskreis über die Wüstenei von Dragenfeld und Satinavs eingreifen. Am Anfang war es noch ganz interessant, aber als dann plötzlich das Thema mehr auf Satinav schwenkte und auf die Ereignisse von Grangor hatte ich plötzlich das dringende Bedürfnis den Raum zu verlassen. Es war nicht der rechte Ort und nicht die rechte Zeit über diese Dinge zu sprechen und das was sich damals ereignet hatte, das war keine Sache, die die allgemeine Magierschaft anging. Bevor wir die anderen unserer heutigen Gefährten getroffen hatten waren Larati, Bernfried, Lorion und ich damals in Grangor Zeuge des Wunders Rahja gewesen. Der Zeitpunkt, wo sie uns persönlich erschienen war. Wir wussten, dass ihr Wirken nur durch eine Vereinbarung mit Satinav persönlich möglich gewesen war und uns die Chance gab den Namenlosen Tempel zu finden, die Haare des gefallenen Gottes zu zerstören und die Stadt so vor dem Untergang zu retten. Außer uns wussten nur wenige, was damals wirklich passiert war und wenn es nach mir ginge, sollte es dabei auch bleiben. Ich zog mich für einige Stunden zurück und betete zu Phex um das Geheimnis weiter zu bewahren und zu Rahja um ihr erneut für diesen Moment und diese Ehre zu danken. Ich spürte, wie Wärme sich in mir ausbreitete und ich zur Ruhe kam. Ich bekam daher auch nicht mit, das Larati eingeladen wurde um das zweite Zeichen zu analysieren. Das Gespräch verlief wohl ähnlich wie bei Lucio war nur deutlich positiver von der Grundstimmung, was aber wohl zum einen daran lag, dass eine Geweihte der Zwölfe hier Rede und Antwort stand und kein Schwarzmagier – auch wenn er jetzt Magister Magnus war und zum anderen, dass es wohl die Natur des Zeichens war eher für Frieden zu sorgen.
Mara und Shiahan hatten genug nach der langen Rede von den Magiern und beschlossen eine kleine Aussatz zu nehmen und ritten aus. Als sie zur Mittagszeit in die Stadt zurückkehrten entdeckten sie einen großen Tross von Draconitern und Elitesoldaten des Adlerbanners die zusammen mit mehreren Hesindegeweihten zwei Kutschen in die Stadt begleiteten. Auf Höhe des Marktplatzes kam es plötzlich rundherum zu Geschrei und auch die Alarmhörner der Stadt waren zu hören. Ein Karakil kreiste über der Stadt, das Adlerbanner eröffnete das Feuer auf dem Dämon, der scheinbar von einem Magier geritten wurde, doch dieser war außer Reichweite. Während rundherum Panik ausbrach stimmten die Hesindegeweihte Liturgien an um ihn zu bannen, doch soweit kam es nicht. Im Sturzflug warf er Shiahan den Kopf von Avathar Friedenslied vor die Füße. Der Hüter der Harmonie war tot.
Wenige Minuten später füllte sich der Marktplatz mit Stadtwachen, Rohalswächtern, Pfeilen des Lichts und anderen Waffenträgern. Als Shiahan den Kopf Friedenslieds in den Umhang von Mara hüllte um ihn vor den Augen der Menschen zu verbergen öffnete er die Augen und sprach „Das Ende Eueres Zeitalters ist gekommen. Geht zurück ins Licht Fabelwesen“. Dann verstummte der Elf und Larati und Shiahan bestätigten später auch, dass die Weltenumspannende Melodie der Harmonie verstummt war, die sie in Momenten der Ruhe gehört hatten. Auf der Stirn war die Glyphe Borbarads eingebrannt. Die Rohalswächter unter ihrem Anführer Eisenkober nahmen Shiahan hart ins Verhör, warum ausgerechnet ihm der Kopf vor die Füße geworfen wurde, was er mit dem Elf zu schaffen habe und und und…. Noch bevor Mara explodierte ob des Tonfalls wurde Eisenkober von der Spektabilität von Garlischgrötz in die Schranken verwiesen und es wurde angeordnet den Kopf zur Akademie zu bringen.
Einstimmig wurde vom Gildenrat das Magieverbot für die Untersuchung aufgehoben und die höchsten Magier im Raum – es waren nur wenige zugelassen worden – untersuchten zusammen mit dem neu ernannten Magister Magnus den toten Kopf. Scheinbar war Friedenslied in einem Bereich, der extrem nah an den Niederhöllen gelegen war von einem Zant zu Tode gefoltert worden und ihm noch bei lebendigen Leibe die Glyphe Borbards eingebrannt. Auf jeden Fall war dieser Tod ein Verlust für alle Lebenden, unabhängig ihrer Rasse oder ihres Glaubens. Die Kunde vom Tod des Elfen verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Akademie und trübte deutlich die Stimmung. Um sicher zu gehen, dass der Kopf nicht noch als Spion diente – man traute dem Bethanier so ziemlich alles zu – wurde er in den Borontempel gebracht.
Den restlichen Nachmittag zogen wir uns zurück und beratschlagten. Die Diskussionsrunde über Chimärologie interessierte gerade nur wenige leidenschaftliche Magier. Lucio bekam bei einem der Flurgespräche mit, dass es wohl einen heftigen Streit zwischen Dschelef ibn Jassafers und seiner Tochter gegeben haben muss, als diese beiden aufeinander trafen hier. Zum Glück galt hier das Friedensgebot. Am Abend gingen wir gemeinsam noch einen trinken und stießen im Gedenken auf Friedenslied an und versuchten irgendwie auch den Tag zu Ende zu bringen. Es wurde deutlich später als geplant und es waren einige Gläser mehr Wein – ein wenig zu viel für unsere liebe Mara. Diese war doch etwas angeheitert als wir nach Hause kamen. Zu unserer Überraschung standen dort 10 Draconiter neben unserer doch recht nervösen Torwache. Man teilte uns mit, dass drinnen einige Geweihte auf uns im Salon warten würden. Wir waren neugierig, wer es geschafft hatte unser Personal davon zu überzeugen sie ohne Absprache einzulassen.
Im gemütlichen Salon trafen wir auf den Abtprisma der Draconiter Erynnion Quendan Eternenwacht, seinen Assistenten Ulfaro Montazzi und auf den Prätor des Argelianischen Gerichts Madaion Sphyritis. Shiahan erkannte sie als diejenigen die den Zug aus Draconitern und Adlerbannersoldaten in die Stadt begleitet hatten. Sie weihten uns in einem sehr offenen und freundlichen Gespräch ein, dass in wenigen Tagen die Magisterin der Magister Haldana von Ilmenstein, die oberste Geweihte der Hesindekirche in Punin eintreffen würde um gemeinsam mit der Nandus und der Phexkirche ein Anathema gegen Borbarad auszusprechen. Mir fiel fast die Kinnlade runter, das wäre wirklich ein extrem starkes Zeichen der drei Kirchen seiner Herkunft und auch wenn es Borbarad wohl wenig stören würde, so wäre es mächtig und ein wichtiges Zeichen der Hoffnung, dass auch die Götter mit uns wären. Leider stellte sich im Gespräch heraus, dass die Nandus Kirche hier noch am hadern war, da Borbarad auf Grund dessen, dass er den 11 Weihegrad der Erkenntnis erlangt hatte, als Heiliger galt. Unsere Aufgabe sollte es nun sein mit unserem Wissen über Borbarad und seiner Taten die Geweihte zu überzeugen sich dem Anathema anzuschließen. Das Gespräch sollte morgen im Tempel der Hesinde stattfinden. Natürlich stimmten wir zu, es wäre eine großartige Chance und wir fingen noch spät am Abend an, als die Delegation schon gegangen war unsere Argumente zu sammeln.
Der nächste Morgen in der Akademie war mehreren Arbeitskreisen gewidmet, es ging zum einen um die Auswertung der Ergebnisse von Altaia und zum anderen um die blutige See mit Blick auf die Schlacht von Anderath, aber auch um die Dämonenarchen als solches. Was die Größe und Anzahl der Dämonenarchen anbelangt gab es viele widersprüchliche Augenzeugenberichte, so dass der Arbeitskreis zu dem Schluss kam, dass es wohl mehr als nur 2 große Archen gab. Auch mehrere kleinere wurden schon gesichtet und davon waren auch zwei unter schweren Verlusten vernichtet worden.
Im Garten der Akademie kam es am späten Vormittag zu einem kleinen Aufruhr, die Rohals Wächer – mal wieder unter der Führung von Eisenkober – bedrängten Tarlisin von Borbra heftig und machten ihm etliche Vorwürfe, er würde mit dem Feind unter einer Decke stehen und sie verlangten Antworten, warum er keinen Schatten habe, was in der gorischen Wüste geschehen sei und und und…. Tarlisin ließ das Ganze ruhig über sich ergehen und wir wollten ihm gerade zur Unterstützung beistehen, als er Eisenkober in seine Schranken verwies und ihm klare machte, dass wenn er etwas vorzutragen habe, er die offiziellen Wege zu gehen habe. Eisenkober stürmte wütend davon, ich hatte das Gefühl in diesem Punkt war noch nicht das letzte Wort gesprochen.
Am Nachmittag trafen wir uns im Hesindetempel mit dem Abtprisma, dem Hochgeweihten des Nandus und zu meiner Überraschung mit der Stimme des Mondes. Mharabal al’Tosra, der wohl als einziger außer meinen Freunden wusste, dass die Phexkirche in diesem Raum wohl auch zwei Geweihte hatte. Ein vielsagendes Funkeln in seinen Augen sagte mehr als 1.000 Worte. Die Nandusgeweihte war Rumina Dranesco von Bosparan und wurde von Anghara saba Sathena und Xerwolf Xandros begleitet.
Wir hatten uns gut auf das Gespräch vorbereitet und zeigten der Geweihten auf, dass Borbarad mit dem Pakten mit den Erzdämonen nicht nur den Weg der Zwölfe verlassen hatte, sondern Hochverrat begonnen hatte. Warum wurden hier für einen Heiligen, der ja Vorbildfunktion haben sollte, weichere Maßstäbe angesetzt statt härtere, wenn für einen Sterblichen hier schon die Verbannung für EINEN Pakt drohte. Mara und Thorben argumentierte weiter, dass wenn selbst Avathar Friedenslied nicht sicher war mit einer neutralen und friedlichen Position, wer würde dann die Nanduskirche vor Borbarad schützen. Auch der Tod unzähliger Geweihte der 12 göttlichen Kirchen war natürlich ein wichtiges Argument und unzählige Leben unschuldiger Männer, Frauen und Kinder. Lucio fasste es am Ende trefflich zusammen „Die Toleranz darf die Intoleranz nicht tolerieren.“ Mit all diesen Argumenten war es und gelungen die Geweihte nach langem harten Gesprächen zu überzeugen, dass die Nandus Kirche sich dem Entschluss der beiden anderen Kirchen anschließen musste, wenn sie sich selber treu bleiben wollte. Uns fiel ein Stein vom Herzen und wir verließen nach einem kurzen und nettem Abschlussgespräch den Tempel.
Vor dem Ausgang rief mich die Stimme des Mondes noch auf ein Wort zu sich und ich folgte den anderen wenige Minuten später nachdenklich in die Akademie und kam gerade noch rechtzeitig um bei der Analyse des dritten Zeichens unseres Hetmanns dabei zu sein, was mir auch wichtig war. Immerhin hatte dieses Zeichen einen guten Freund extrem verändert und auch einen Keil in das Verhältnis zwischen uns getrieben.
Das Gespräch wurde von Mitgliedern der drei Gilden geführt, begleitet von der Geweihtenschaft der Praios, Hesinde und Rondra. Der Praiosgeweihte war sichtlich erschüttert, dass nach Magiern, Hexenzeichen jetzt auch noch Echsenwerk die Grundlage der Zeichen war. Ich freute mich schon auf sein Gesichtsausdruck, wenn ich an der Reihe wäre und auch noch den Listigen Gott Alverans ins Spiel brachte. Der Tenor der Anwesenden war die Besorgnis über die extreme körperliche Veränderung Thorbens: Schwimmhäute, leichte Schuppenbildung, Echsenaugen, eine gespaltene Zunge – auch wenn er diese wirklich gut verbarg, die schiere Körpergröße und natürlich auch die anderen Auswirkungen. Thorben sprach erstaunlich offen über das Zeichen, auch für uns war einiges neu. Das Zeichen hatte ihm nicht nur Zugriff auf die echsische Schrift und Sprache ermöglicht, sondern auch einen Weg eröffnet seine Magie durch Kristallomantie zu verstärken und zu verändern. Die Rondrageweihte hatte wohl die Berichte von Kurkum gelesen, wo der Leviathan erwacht war und die Kontrolle übernommen hatte im Kampf gegen den Nagrachpaktierer. Denn die Fragen zielten sehr darauf ab. Es ging um die Frage wer die Kontrolle hatte, das Zeichen oder der Träger, doch Thorben machte klar, dass er das Zeichen stehts unter Kontrolle hat, wo ich mir zwar nicht immer zu hundert Prozent sicher war, aber die anderen glaubten ihm. Auf die Frage, wie es ihm ginge, dass er so viel seiner Menschlichkeit verloren hatte, war ich nicht gefasst gewesen. Ich muss gestehen, dass ich mir diese Frage selber nie gestellt hatte und schämte mich dafür. Ich hatte mich zu sehr auf die Abneigung gegen das Echsische konzentriert und den Verlust dessen was uns Verband, als das ich über ihn nachgedacht habe. Seine Antwort war dann der nächste Tiefschlag, denn er sagte klar, dass er bereit wäre auch das letzte Bisschen seiner Menschlichkeit aufzugeben, wenn er damit den Sieg über Borbarad beisteuern könnte. Ich schluckte und hatte damit zu kämpfen meine Tränen zurückzuhalten. Ich schämte mich, wie nie zuvor in meinem Leben und erkannte, dass wir zwar alle unseren Teil leisteten, einige von uns etliche Lebensjahre durch Magie eingebüßt hatten, Narben davon getragen hatten, doch …. doch Thorben bezahlte jeden Tag den größten Preis von uns allen und das im vollen Bewusstsein und ohne Reue. Das kühne Tier mit dem Krötensinne hatte wirklich den stärksten und würdigsten Krieger aus unseren Reihen erwählt.
Auf dem Heimweg wurden wir von einer Gruppe Rohalswächter aufgehalten. Sie bezichtigten Lucio des Mordes an einem Magier. Die Tat soll nicht weit von der Akademie entfernt passiert sein. Auf mehrmalige Rückfrage zeigte sich, dass der Mord wohl direkt vor den Augen der Rohalswächter geschah und das Lucio dann durch die Gassen verschwunden war. Zu unserem Glück hatten wir genau für die Zeit hochkarätige Zeugen, dass Lucio nicht der Mörder sein konnte, denn zu dem Zeitpunkt waren wir bei den Gesprächen im Tempel. Dennoch stellte man ihn vorsichtshalber unter Hausarrest und postierte Wachen vor unserer Villa. Wir sahen die Wachen entspannt, was uns viel mehr ärgerte war, dass immer noch ein Doppelgänger den moralisch eh zweifelhaften Ruf unseres Magiers noch mehr beschmutzte.
Am nächsten Morgen wurden wir von den „Aufpassern“ vor unserer Villa darüber informiert, dass unser Alibi für die Tat bestätigt wurde und man auf Grund der Persönlichkeiten, die sich für uns für diesen Zeitraum verbürgten die Aussage das ein Doppelgängers den Mord begangen habe, glauben würde. Lucio erhielt von einem der Rohals Wächter eine Münze als Erkennung, dass er der richtige Lucio sei. Scheinbar gab es innerhalb dieser Magiergruppe auch Leute, die mitdachten.
Der Morgen in der Akademie begann mit einem langen Vortrag über Rohal und einem Artefakt, das ihm zugeordnet wurde – dem sogenannten Stein der Weisen. Dieses Artefakt bestand wohl aus zahlreichen Teilen, von Ringen über Anhängern über Splitter. All diese Teile sollen zusammen in mächtiges Artefakt geben, von dem aber keiner wusste, was es bewirken würde. Diese Teile waren bei unterschiedlichen Leuten seit Generationen in Besitz, aber der Gildenrat hatte wohl schon vor dem Konvent begonnen, diese zusammen zu tragen, aber immer noch fehlte eine unbekannte Anzahl. Der Tenor der Gemeinschaft der Magier war, dass man eventuell Rohal selbst damit zurückrufen könnte, damit dieser im Kampf gegen Borbarad eingreifen könnte. Aber genau das hatte Niobaraw eisgesagt, dürfte nie wieder passieren. Dennoch schien dieses Artefakt wie ein Strohhalm zu sein, an den sich ein Ertrinkender klammerte und so wurde mit einer nicht allzu großen Mehrheit für die Zusammensetzung dieses Artefaktes gestimmt. Aber dazu müsste man erstmal alle Teile haben und vor allem die Besitzer zur Herausgabe zu überreden.
Ich muss glaube ich meine Meinung über die Rohals Wächter erneut korrigieren, der Wahn geht weiter. Der oberste Wächter Eisenkober hatte wirklich an Tarlisin ein Narren gefressen und hat Anklage gegen den Mann erhoben. Als Begründung wurde der ehemalige Pakt mit der Gegenspielerin TSAs genannt – aber wenn selbst die junge Göttin ihm ihr Verzeihen durch das Wunder von Borbra zeigt, welches Recht haben wir Menschen dann zu Urteilen. Das Fehlen seines Schattens, was ja durch die Besessenheit durch den Dämonenmeister entstanden ist, dann die Besessenheit durch den Dämonenmeister noch einmal gesondert. Ich möchte zu gerne wissen ob der achso weiße Rohalswächter sich gegen den Dämonenmeister wären könne, wenn dieser es auf seinen Geist abgesehen hätte. Ich würde wetten NEIN. Verdammte Engstirnigkeit, Hesinde sollte Madas Gaben wirklich mit mehr Bedacht verteilen. Als Krönung wurde Tarlisin dann auch noch die Opferung der Golgariten in der Gor vorgeworfen, wie kann er es eigentlich wagen sich sollte Geschichten auszudenken. Eine Frechheit. Tarlisin hat es zum Glück relativ gut angenommen, der Mann steht wirklich zu seiner Vergangenheit und ich bin froh, dass wir ihn damals retten konnten….mehrfach…
Lucio bekam in der Bibliothek ein Gespräch zwischen zwei Magierinnen mit, scheinbar wurde einer dieser Frauen ein Ring aus Onyx gestohlen. Dieser Ring war seit Generationen in ihrer Familie vererbt worden und soll einst aus der Hand Niobaras stammen. Machte hier jemand jagt auf die Onyssplitter des Steines der Weisen und wenn ja, auf welcher Seite stand er. Auf Grund der Anwesenheit so vieler Schwarzmagier würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen wollen, dass nicht der eine oder andere auch zu krummen Dingern bereit wäre.
Am späten Nachmittag wurde ich dann „eingeladen“, mein Zeichen untersuchen zu lassen. Ich war ehrlich gespannt, was dabei herauskommen würde. Das Gespräch war durchwachsen, von Neugier bis zur Habgier mir mein Zeichen abzukaufen – weil ich es im Gegensatz zu meinen Gefährten ja abnehmen konnte. Es wurde auch in Frage gestellt, ob es wirklich ein Zeichen wäre, wenn ich es bei Abu Terfas auf dem Boden gefunden und einfach an mich genommen habe. Das Misstrauen gegen mich und das Zeichen war allgegenwärtig und spürbar. Interessant war der Ansatz, dass der Handschuh Teil einer ganzen Rüstung sei, auch diese Idee kam mir schon einige Male, doch habe ich sie auf Grund von Zeitmangel nicht weiter verfolgt. Vielleicht sollte ich mich darum einmal bemühen. Ich ging auf jeden Fall etwas angespannt aus der Befragung, die Teilweise offene Feindschaft und Missgunst kamen überraschend, nicht, dass ich damit nicht leben konnte, doch fragte ich mich, ob sie mir persönlich galt oder dem Artefakt.
Nachdem wir uns ein wenig beraten hatten, beschlossen wir einige Onyxsteine in Punin zu kaufen, diese sollten als Köder dienen und wir weihten den Gildenrat mit ein und ließen Informationen über den Ort der Untersuchung der Steine in der Akademie durchsickern um einen Dieb in Versuchung zu führen. Da unter den ermordeten Magiern hauptsächlich Neo-Rohalisten waren oder Magier mit solchen ursprünglichen Wurzeln kam der Verdacht nämlich auf, dass hier jemand blutige Jagd auf die Steine machte und das wir einen roten Faden für die Morde entdeckt hatten. Larati und ich bezogen Position in dem angeblichen Labor und harrten der Dinge, die da kommen würden. Die anderen verhielten sich weiter normal. Leider schnappte unsere Falle an dem Abend nicht zu.
Als wir am nächsten Morgen in der Akademie eintrafen, wurde Mara von einer älteren Alchemistin zur Seite genommen. Sie kam aus dem Gespräch ziemlich aufgelöst wieder und nahm Lucio zur Seite. Worum es dabei ging, wollte sie uns partout nicht sagen, aber man merkte ihr den ganzen Tag an, das etwas in ihr arbeitete. Larati und ich gingen wieder in das Labor, während die anderen sich einen Vortrag über die Veränderung der Sternenkonstellation anhörten. Scheinbar war es aber nicht sehr spannend, denn als ich nach Details fragte, sahen mich alle etwas ratlos an und zuckten mit den Schultern. Wirklich aufgepasst hatte wohl niemand.
Am Nachmittag wurden unsere Freude unauffällig zum Gildenrat geführt, während Larati und ich uns unten im Keller langweilten und schon mit Würfelspielen angefangen hatten. Scheinbar klappte der Trick mit den Splittern nicht. In einer kleinen Zeremonie, wurden uns allen Freibriefe im Namen der drei Gilden ausgestellt, das sollte uns das Arbeiten vereinfachen und solche Anschuldigungen, wie durch die Rohals Wächter, doch deutlich erschweren. So bekamen wir auch Zugang zu allen Gildenbibliotheken und Gebäuden – zumindest zu den normalen Bereichen der Gebäude. Das war auf jeden Fall viel Wert und machte sich gut neben dem Schreiben, was wir von Ayla von Schattengrund noch hatten. So langsam stieg der Ruhm und die Anerkennung. Das machte zwar das geheime Arbeiten immer schwerer, aber es öffnete andere Türen.
Am Abend übernahm Shiahan meinen Posten bei Larati, als es zum Gottesdienst in den großen Hesindetempel ging. Außer uns wusste wohl kaum einer, um was es dort ging und das es kein langwieriger Gebetsabend war. Es hatte sich schon rumgesprochen, dass die Magisterin der Magister, die höchste Geweihte der Hesindekirche mit großem Gefolge eingetroffen war. Die Kirche war bis auf den letzten Platz voll, für uns waren in der ersten Reihe Plätze reserviert worden.
Heute habe ich das Anathema mit eigenen Augen erlebt – und ich werde es nicht vergessen. In der Halle der Hesinde versammelten sich Geweihte dreier Kirchen: der Hesinde, des Phex und des Nandus. Keine laute Versammlung, kein fanatisches Geschrei. Es war ruhig. Ernst. Fast kühl. Man spürte: Hier ging es nicht um Rache, es ging um Entschlossenheit aus Erkenntnis. Man wollte Einigkeit zeigen und ein Zeichen setzen.
Borbarad wurde nicht verdammt, weil er Magie wirkte. Nicht, weil er forschte. Und auch nicht, weil er Grenzen testete. Das alles gehört zum Wesen von Erkenntnis. Nein – das Anathema wurde gesprochen, weil er Wissen vom Maß getrennt hat. Weil er Macht über Verantwortung stellte.
Hesinde steht für Weisheit und Ordnung im Wissen. Nandus für das freie Fragen und das Ringen um Wahrheit. Und selbst Phex – mein Herr – für kluge List, für das Spiel mit Möglichkeiten, nicht für blinde Zerstörung.
Borbarad aber nahm sich, was er wollte, und erklärte es zum Recht des Stärkeren. Er missbrauchte Madas Gabe nicht aus Neugier oder Suche, sondern zur Herrschaft. Er band sich an Mächte, die Wissen nicht erweitern, sondern pervertieren. Und er tat es bewusst.
Das Anathema war daher kein Bannstrahl und kein Fluch mit Feuer. Es war ein Ausschluss aus der Gemeinschaft des Wissens. Ein geistiges Urteil:
Kein Tempel soll ihm offenstehen. Kein geweihtes Wissen ihm dienen. Keine Ordnung des Geistes ihn tragen.
Er steht außerhalb und damit auch alle, die ihm folgen würden. Einem jeden Borbaradianer sollte klar sein, wer sich dem Dämonenmeister anschließt ist nicht nur im hier und jetzt von den Göttern abgelehnt, sondern auch im Tode. Reto wird seine Seele nicht passieren lassen.
Für mich als Phexgeweihten ist das der entscheidende Punkt: Selbst die List hat ihn nicht mehr gedeckt. List lebt von Beweglichkeit, von klugem Spiel. Borbarad jedoch ist starr geworden – überzeugt von seiner eigenen Überlegenheit. Das ist keine List mehr. Das ist Wahnsinn.
Ich sah in den Gesichtern der Geweihten keine Wut. Nur Bedauern. Und Entschlossenheit. Nicht nur ich war von dieser Welle getroffen, die fast alle im Raum unvorbereitet traf. Ich erlebte in kürzester Zeit ein weiteres großes Wunder, wie auf der Löwenburg. Und hier war Phex selber mit im Spiel. Die Stimme des Mondes hatte gesprochen, es war Phexens Wille. Mein Körper war über und über mit Traviahaut überzogen, als ich mich mit den anderen auf den Weg zurück zur Akademie machte. Viele schwiegen und dachten nach und auch Eisenkober von den Rohals Wächtern konnten wir nachdenklich sehen. Sollte Hesinde ihm endlich den nötigen Funken Verstand geschenkt haben? Ich wünschte es mir.
Als wir durch das Tor auf das Gelände der Akademie kamen barsten mit einem Mal die großen Scheiben und der Garten wurde von Scherben und Holzstücken übersäht. In der großen Halle explodierte Feuer, dämonisches Brüllen erklang und menschliche Schreie. Nun trennte sich Spreu von Weizen, während viele der Magier um uns herum ihr Heil in der Flucht suchten, gab es doch auch etliche, die die Zauberstäbe zückten, Bannschwerter ergriffen und mit uns nach vorne stürmten dem Inferno entgegen.
Drei Zantime waren in der Halle erschienen, hatten die Pfeile des Lichts angegriffen und waren scheinbar darauf aus, die Artefakte in den Vitrinen zu erbeuten. Darunter waren auch die bereits untersuchten Splitter des Steins der Weisen. Wir haben mehrfach auf das Risiko hingewiesen, aber man tat es ja als lächerlich ab, niemand würde es wagen…blablabla…. Die Quittung für diese Arroganz kam in dämonischer Form und Lucio machte sich gleich an das Bannen, während Mara, Thorben und ich in den Nahkampf gingen, unterstützt von den Kampfzaubern der Magier. Wenn sie diese am Ende für das unerlaubte Zaubern belangen würden, würde ich sie alle zu den Noioniten schicken. Zutrauen würde ich es ihnen.
Der Kampf war mit soviel Magiekraft schnell getan, vor allem da Lucio einen der Dämone sofort bannte. Hier trat aber der gleiche Effekt auf, wie damals in Maraskan, die dunkle Seite unseres Freunde webte sich in den Zauber ein, machte ihn zwar auch effektiv, aber der Zauber zog auch fast Mara mit in die Niederhöllen. In letzter Sekunde konnte sie sich freistrampeln und wurde von mir festgehalten. Irgendein Dämon hat auf jeden Fall ihre guten Schuhe als Andenken behalten. Der Angriff konnte schnell beendet werden und als alles vorbei war, kam auch die Spreu herein um nach dem Rechten zu sehen und wichtig zu tun. Ein Pfeil des Lichts war zerfetzt, einige andere Magier waren verletzt, uns ging es zum Glück relativ gut, bis auf die Schuhe von Mara.
Die Splitter und auch die sonstigen Artefakt waren aber in Sicherheit und die Bewachung wurde intensiviert. Da die Dämonen scheinbar aus den Kellern kamen, wurden hier Bannsymbole und Symbole der Illusionsauflösung und der Verwandlungsbeendigung angebracht, um sicher zu gehen, dass niemand hier mehr Schindluder treiben konnte. Lucio erhielt für seinen formidablen, wenn auch sehr ungewöhnlichen, Bannspruch viel Anerkennung. Aber ich merkte, wie sehr er selber darüber erschrocken war, was passiert war. Ich würde später mit ihm darüber sprechen, wenn wir alleine wären.
Jetzt ging es erstmal mit gezückten Waffen in die Kellerräume um die Spur der Dämonen zu verfolgen. In einem der Räume wurden wir fündig, drei Pentagramme waren auf dem Boden angebracht und hier wurden die Dämonen gerufen. Shiahan verwandelte sich nach Freigabe durch den Gildenrat in einen Hund und machte sich auf die Suche nach den Spuren der Beschwörer. Leider verlief diese Spur im Sande bzw. in einer Sackgasse. Einen Geheimgang oder ähnliches konnten wir auch nicht erkennen. Wir baten die Akademieleiterin auf jeden Fall darum, dass wehrhafte Magier hier unten weiter kontrollieren und patrouillieren sollten um es dem oder den Magiern wenigstens schwerer zu machen.
Auf dem Weg nach Hause kamen wir über das Anathema ins Gespräch und wollten die Gunst der Stunde nutzen, dass diese Information schneller verbreitet werden sollte. Wir bezahlten einige Herolde großzügig, dass diese Nachricht die nächsten Tage überall verkündet werden soll mit dem Zusatz, das Borbarad zukünftig als der von den Göttern verstoßene Spährenschänder bezeichnet werden sollte, damit auch klein Alrik verstand, dass die Götter keine Gnade mit Sympathisanten dieses Wahnsinnigen kannten. Sicher war dies nur ein Tropfen auf den hohlen Stein, aber je mehr Tropfen….
Ich setzte mich Abend mit Lucio und einer guten Flasche Wein hin und fragte ihn, wie es ihm wirklich gehen würde. Mittlerweile hatte er wohl genug Vertrauen und weihte mich ein wenig in die Geheimnisse seiner Familie ein und erzählte, dass es wohl an der Zeit wäre, sich den dunklen Schatten in seinem Geist zu stellen und dass er das eben am Besten hier in Punin machen könne. Ich sicherte ihm meine Unterstützung zu, die er auch dankbar annahm. Mara wartete schon auf unseren Magister Magnus und wollte auch noch mit ihm reden. Ich verabschiedete mich und ging ins Bett.
Lautes Geschrei riss uns alle aus den Betten, erst dachten wir, jemand würde die Villa angreifen, aber der Grund für diese unsanfte Art des Weckens war Mara, die in den Spiegel geschaut hatte. Die ältere Alchemisten hatte ihr einen Trank gegeben, der ihr wohl helfen solle, die in Dragenfeld verlorenen Jahre zurück zu gewinnen. Sie hatte wohl ernsthaft Mitleid mit ihr gehabt und ihr den Trank geschenkt und er hatte gewirkt. Die verlorenen gut 10 Jahre waren wieder, die Haut straffer im Gesicht und alles andere auch. Mara konnte ihr Glück kaum fassen und sprühte vor Energie und schnappte sich gleich eine unserer Wachen, die alarmiert herbeigelaufen waren um mit ihr eine morgendliche Trainingsrunde zu machen um zu schauen, ob sie sich allgemein auch fitter und agiler fühlte. Das war dann der Punkt, wo ich in die Küche zu unserer Köchin ging, mir starken Kaffee geben ließ und es mir vor dem breiten Kamin gemütlich machte. Ich freute mich sehr für Mara, die unter den ersten Fältchen doch gelitten hatte, besonders nachdem Shiahan aus der Feenwelt verjüngt wieder kam. Die Kurzlebigkeit der Menschen machten ihnen wirklich zu schaffen.
Der Gildenrat hatte in der Akademie zu einer Diskussion geladen. Neben uns waren auch einige bekannte Magier anwesend. In dieser Konstellation wurde abgestimmt, wer das Artefakt zusammensetzen sollte, wenn alle Splitter vorhanden waren. Lucio erhielt von allen Seiten klaren Zuspruch – ich muss nicht extra erwähnen, dass das dem Ego unseres Magus Magnus nicht gerade gut tat oder ? Wenig überraschend für mich war die hohe Ablehnung meinerseits. Ich glaube nur den zustimmenden Worten meiner Gefährten verdanke ich es, dass ich an dem Artefakt arbeiten darf. Die klare Beschreibung der Arbeit auf Altoum hatte genügend Leute überzeugt, dass ich mit kleiner Mehrheit zugelassen wurde. Wieder stellte ich mir die Frage, liegt es an mir oder am Handschuh, so langsam nehme ich die Sache persönlich.
Als wir gerade zum Mittag gehen wollten, gab es auf den oberen Etagen Tumult, der Alarm für angewandte Magie wurde ausgelöst und etliche Magier eilten nach oben. Wir folgten ihnen und fanden einen aufgebrachten Magus in seinem Zimmer stehen. Die Tür qualmte noch immer. Scheinbar hatte jemand versucht bei ihm einzubrechen und seinen Onyx Splitter zu stehlen. Doch zum Schutz dieses Splitters hatte er eine verborgene Glyphe an der Tür angebracht und diese hatte dem Einbrecher wohl das Gesicht verbrannte. Das könnte unsere beste Chance sein, wir diskutierten nicht lange mit den Pfeilen des Lichts, sondern hielten ihnen unseren neuen Freibrief hin. Sollte das Zaubern in diesem Fall dadurch nicht abgedeckt sein, könnten sie sich damit echt den Allerwertesten abwischen. Shiahan verwandelte sich wieder in einen Hund, nahm die Pferde nach verbrannten Fleisch auf und schnell stießen wir auf ein verschlossenes Zimmer. Thorben klopfte auf seine typische Art und Weise an und die Tür flog samt Aufhängung in den Raum. Wir durchsuchten den Raum hastig und fanden auf dem Bett einige leere Heiltränke. Scheinbar war jemand hier gewesen, um sich von seinen Verbrennungen zu heilen. Wir positionierten einen der Pfeile des Lichts vor der Tür und jagten der Spur weiter nach und unsere eigenen Sicherheitsvorkehrungen machten uns einen Strich durch die Rechnung. Die Spur führte wieder in die Katakomben und die Schutzzauber verwandelten Shiahan zurück und lösten einen weiteren Alarm aus, aber das würde bedeuten, wir würden Unterstützung bekommen.
Hinter dem Durchgang verwandelte er sich wieder und nahm die Spur erneut auf, immer tiefer ging es in die Katakomben und dann war mit einem mal die Spur weg. Wie abgeschnitten. Wir durchsuchten mit Hilfe der uns nachgeeilten Magiern alle anliegenden Räume, doch bis auf eine fette Ratte konnte Shiahan niemanden mehr stellen. Verdammt! So langsam stieg die Frustration.
Wir gingen zurück in das Zimmer und stellten es auf den Kopf. Eine Nachricht ließ uns hellhörig werden, jemand hatte unser Gespräch mit Rohezal belauscht, dass wir uns am Nachmittag in der kleinen Bibliothek treffen wollten. Das Gespräch sollte verhindert werden. Wir baten Cosmar einen Magier zu seinem Schutz zu schicken, wir wollten erst die Spuren hier sichern. Wir fanden einige eindeutige Meuchlerwerkzeuge, wie Drahtschlingen und Giftphiolen, darunter auch eine weitere Anwendung Purpurblitz. Damit keiner von uns damit erwischt wurde – hier würde auch kein Freibrief helfen – ließ ich das Fläschchen mit dem Handschuh verschwinden. Ich würde es später wieder hervorholen und gut gesichert aufbewahren. In Zeiten wie diesen, konnte es immer mal sein, dass man so etwas exotisches und verbotenes brauchen würde.
Wir hatten zwar Cosmar darum gebeten jemanden abzustellen um auf Rohezal aufzupassen, doch wollten wir auf Nummer sicher gehen und auch ein Auge auf den Schatten Rohals werfen und letztendlich hatten wir eh eine Verabredung mit ihm. Ich blieb oben bei dem aufgebrochenen Zimmer, wir tauschten die Tür aus um einen ursprünglichen Zustand wieder herzustellen und ich legte mich auf die Lauer, sollte der Magier noch einmal zurückkommen.
Der Rest meiner Freund lief zur kleinen Bibliothek, auf dem Flur fanden sie einen Magier, dem von hinten die Kehle geöffnet wurde. Das Blut und der Körper waren noch warm. Sie stürmten in die Bibliothek und fanden Rohezal am Boden mit einem Magier über ihm mit einem Dolch in der Hand. Auf Grund der Übermacht konnte er sein tödliches Werk nicht vollenden und stürmte durch einen Geheimgang in die tiefergelegenen Katakomben. Shiahan kümmerte sich um Rohezal, Thorben jagte den Magier durch die Dunkelheit der Kellergewölbe, gefolgt von Mara und Lucio.
Es ging durch mehrere alte Gewölbe, verlassene Räume und unheimliche Labore. Vor dem letztendlichen geheimen Quartier des Magiers aktivierte er zwei Pentagramme und rief zwei Heshtotim, doch Thorben ignorierte sie in seiner Wut und rannte hindurch und steckte die Schläge der beiden ein. Lucio und Mara kümmerten sich um die Dämonen, während unser Thorben den borbaradianischen Namensvetter in dem nächsten Raum stellte. Dieser wehrte sich massiv mit Zaubern und setzte unserem Hetmann gewaltig zu, doch dessen echsische Wut war so groß, dass die neue Axt dem Magier den Arm vom Leib trennte und dieser in seiner Verzweiflung die erzdämonische Gegenspielerin der jungen Göttin anrief und diese seinen Hilferuf wohl wahrnahm. Der nächste Schlag unseres Freundes ging durch den Leib des Magiers und löste ihn in Nebel auf, der durch einen Abfluss verschwand. Verdammtes Paktiererpack.
Thorben entdeckte hier einige Briefe die klar machten, das Azariel Scharlachkraut hier wohl die Fäden in der Hand hielt und es vermutlich einen weiteren Verschwörer gab, der anscheinend das kirchliche Konvent ausspionierte. Auch fanden wir hier mehrere Splitter aus Onyx. Scheinbar waren dies jene Teile des Steines des Weisen, die durch Gewalt und Mord den Magiern entrissen wurden. Das war immerhin ein Teilerfolg, dass unsere Chancen auf den Zusammenbau der Kugel damit stiegen. Lucio deaktivierte ein aktives Pentagramm, das wohl jederzeit einen weiteren Zant hätte rufen können. Thorben hatte also wirklich Glück, dass er sich mit diesem Kampfdämonen nicht auch noch auseinandersetzen musste hier unten.
Oben in der Bibliothek trafen meine Freunde dann auf den Gildenrat, einige andere Magier, die zusammen mit Shiahan die Versorgung Rohezals übernommen hatten. Dem alten Weißmagier ging es mittlerweile wieder besser, er klagte nur über Kopfschmerzen und schallte sich selbst einen Narren, dass er sich so einfach hatte übertölpeln lassen. Wir übergaben die Splitter und die Briefe vertrauensvoll dem Gildenrat und diese kümmerten sich um die Prüfung, ob die Steine Teile des Artefaktes waren. Währenddessen unterhielten wir uns vertraulich mit Rohezal.
Er erklärte seine Theorie zur Rückkehr Rohals. Seiner Meinung nach, waren die letzten Jahrhunderte nur eine Pause, die Rohal der Welt verschafft hatte, da er Borbarad nicht dauerhaft bannen konnte. Der Limbus schien dafür auch nicht der richtige Ort gewesen zu sein. Seiner Theorie nach könnten die beiden nur in gegensätzlichen Welten existieren und das wären laut Rohezal das Nayrakis – der Weltgeist Los, die geistige Hälfte der Schöpfung und das Sikaryan, der Lebensgeist Sumus, die körperliche Hälfte der Schöpfung. Das würde aber bedeuten, dass einer das körperliche Aufgeben müsste um in das geistige überzugehen.
Sollte Rohal mit dem Stein der Weisen gerufen werden können und in dieser Welt sich etablieren, dann würde das für diese Welt unter umständen die gleiche Auswirkung haben, wie es damals auf die Gor hatte. Die Seherin Niobara hatte davor gewarnt, dass die beiden nie wieder beide in dieser Welt aufeinander treffen dürfen, da es für das Weltengefüge unkalkulierbare Konsequenzen haben würde. Rohezal würde daher bei einer Rückkehr an einem der sechs elementaren Punkte auf Rohal warten, bevor er alle Punkte durchläuft und sich vollständig manifestiert. Einige dieser Punkte kannten wir, es waren mächtige Ort des jeweiligen Elements, wie das Tal der Elemente und Aras de Mott. Rohezal erwartete Rohal am gläsernen Turm im Ambossgebirge. Jeder Angroshim kannte die Geschichten von dem unsichtbaren Turm in den hohen Zinnen. Ich fühlte mich dabei nicht wirklich wohl, doch das lag nicht an dem Turm, sondern an den Geschichten, die mit diesem einher gingen. Wir stimmten Rohezal zu, dass wir ihn begleiten würden, sollte der Stein zusammengesetzt und aktiviert werden können. Bis zum Ende des Tages wurde ich auf Bitten meiner Freunde zum Schatten des Schatten des Rohezals und wachte über ihn. Ich kehrte erst spät in der Nacht heim und überließ dann die Bewachung der ODL und den grauen Stäben.
Am nächsten Morgen verkündete der Gildenrat, dass die Splitter aus den Gewölben vermutlich die letzten fehlenden Teile waren und am Nachmittag mit dem Zusammenbau des Steines auf der Bühne im Hauptsaal begonnen werden sollte. Wir waren etwas überrascht und überrumpelt, dass das ganze so ein Schauspiel sein sollte, doch daran konnten wir wohl nichts ändern. Es wurde als das größte Artefakt und Rätsel dieser Epoche bezeichnet und es hätte wohl einen Tumult gegeben, wenn das hinter verschlossener Tür passiert wäre. Die Akademieleiterin Garschlischgrötz hatte auch für entsprechende Sicherheitsmaßnahmen gesorgt. Es waren Kampfmagier aus Andergast und Bethana zur Verstärkung der ODL, Pfeile des Lichts und der grauen Stäbe organisiert worden, sollte die Gegenseite hier noch einmal zum großen Schlag ausholen. Auf Maras Hinweis, dass kirchliche Unterstützung auch sinnvoll wäre, wurden noch sieben geweihte Drakoniter abgestellt um das Artefakkt und letztendlich auch uns zu schützen.
Ich nutze die Zeit bis dahin um mich mental darauf vorzubereiten, ich würde versuchen meiner Hand nicht die Kontrolle zu überlassen, wie sie es auf Altoum gemacht hatte. Ich wollte sie führen, mit ihr zusammenarbeiten, eine Einheit werden. Also wandte ich mich an den wahren Geist in ihr.
„Phex… alter Gefährte über dunklen Wegen, hör mir zu. Wieder steh ich vor einem Werk, das klüger ist als ich – geschaffen von Rohal dem Weisen, und ganz sicher nicht für grobe Zwergenhände gedacht. Gib mir die Geduld eines Schmieds am kalten Eisen. Gib mir die Weisheit, den rechten Griff zu finden, und das kleine Quäntchen Glück, das Du so gern zwischen die Finger streust. Schärf mir die Sinne – nicht nur fünf, sondern sechs… nein, sieben. Lass mich die Falle hören, bevor sie schnappt. Den falschen Stein erkennen, bevor ich ihn drehe. Den Hauch von Magie wittern wie ein Jäger die Echse im Sand. Ich will nichts erzwingen. Ich will verstehen. Und wenn ich’s recht mache – dann war es Deine List, dein Handschuh über meiner Hand.“
Mit Lucio und mir sollten Rohezahl, Salandrion Finkenfarm und Salpikon Saverin den Stein zusammensetzen. Als Unterstützung standen mehrere Hellsicht- und Artefaktmagier an unserer Seite. Ich stimmte mich auf die Splitter ein und erkannte dünne Linien, leuchtend wie Sternensilber. Doch kein anderer schien sie zu sehen. Lucio dagegen berichtete später von einem astralen Netz, dass wie eines dieser komplizierten Puzzle sich zeigte. Während wir beide von unseren Zeichen unterstützt wurden waren die Magier schnell an ihren Kräften angelangt und tranken mehrere astrale Tränke um ihre Zauber immer wieder neu zu weben und zu sprechen. Immer wieder hörte ich das Keckern einer Elster und das leise Bellen eines Fuchses, wenn größere Teile sich zusammenfügten. Ich spürte SEINE Nähe, des fühlte sich an, als würden SEINE Hände fast auf meiner Schulter liegen und er neugierig über diese Blicken um nichts zu versäumen und mehr als einmal flog ein Splitter in meine Hand, der jetzt für die Position perfekt war, den ich als solchen nie gewählt hatte. Für uns gefühlt vergingen Stunden der Konzentration, ehe das letzte Stück wie von alleine an seinen Platz glitt und eine perfekte Kugel formte. Kein Riss war zu sehen, keine Spalte. Es war eine perfekte schwarze Kugel.
Wie in Trance gingen wir in das Büro der Akademieleitung, während die Kugel abgeschirmt und bewacht wurde. Ich spürte die Leichtigkeit, den Rausch durch die Nähe meines Gottes und während Lucio sich an den Tränken der Akademieleitung erfrischte und seine astrale Kraft wieder auffüllte, genoss ich den Teil der Kraft die durch mich geflossen war. Es würde sicherlich einige Tage dauern, bis ER mir diese wieder schenkte, doch gerade war das, war es, was es so berauschend machte. Etwas göttliches in seinem Sinne zu geben und es wieder zu erhalten, jede Regeneration dieser Macht war wie eine neue Weihe. Aber genau das machte es auch so versuchend, sie öfters einzusetzen, doch das war nicht SEIN Wille. Heute war ER zufrieden und ich war es auch.
Wir besprachen uns in dem Zimmer, bevor es wieder auf die Bühne ging. Hunderte Magier und Magierinnen erwarteten die Neuigkeiten, die Erkenntnis und wie es nun weiter ging. Die Akademieleiterin verkündete das Ergebnis, das, was wir zusammengebaut hatten, war in einfachen Worten gesagt ein Wunder. Es war ein schwarzes Auge, dass man bewegen konnte. Es würde Rohal die Möglichkeit geben, zu prüfen, wer und warum ihn rufen würde und dass es definitiv keine dämonische Komponente enthielt. Mehr wusste man nicht, aber das war mehr als genug um eine Abstimmung über die Aktivierung des Artefaktes zu starten. Zu meiner großen Überraschung fiel diese fast einstimmig aus und es wurde beschlossen das Artefakt durch den Gildenrat zu aktivieren. Das war für mich der Zeitpunkt von der Bühne herunter zu treten und meine stählerne Wehr anzulegen. Wenn Rohezal recht hatte, würden wir dann bald abreisen, er hatte gesagt, er würde sich um alles kümmern….
Als das Artefakt aktiviert wurde, hüllte eine blaue Kugel die Magier auf der Bühne ein, schirmte sie ab, verhüllte sie und verformte sich zu einem Zwölfseitigen Würfel. Auf jeder Seite waren Orte, Landschaften, Gebäude zu erkennen. Wir erkannten einige davon. Es waren die Orte der elementaren Reinheit und Macht. Rohezal schien recht gehabt zu haben. Es wurden von zahlreichen Magiern Analyse und Hellsichtzauber gesprochen um mehr zu erfahren. Das Magieverbot war hinfällig, kaum einer hielt sich zurück, der Raum war erfüllt von freigesetzter arkaner Kraft. Dann löste sich der Würfel auf und es erklang wie ein Reißen in der Welt, ähnlich den Limbusportalen. Viele Magier fingen an zu diskutieren, andere stürmten nach draußen, teleportieren sich weg – scheinbar hatten sie alle den Vortrag über die Gefahren des Limbus vergessen. Thommeg und Rohezal gingen Seite an Seite aus der Akademie. Schwarz und Weiss nebeneinander, vereint in einer Aufgabe. „Jeder an seinen Platz“ sagte Lucios Lehrmeister und Rohezal nickte „Jeder an seinen Platz“. Thommeg rollte einen Teppich aus und flog mit diesem davon, während Rohezal in eine kleine Pfeife bliess und mit uns aus der Akademie in den Garten des Hesindetempels ging. Meine Befürchtungen wurden wahr, der alte weiße Magier hatte seinen Drachen gerufen. Doch dieses Mal nicht, so dankbar ich für Rettung von den Schiffen war, ich hatte ewig gebraucht um den Geruch nach Drache los zu werden.
Faldegorn der güldene Kaiserdrache erschien und verwüstete den halben Garten der himmlischen Göttin der Weisheit, doch ich glaube niemand zürnte ihm. Rohezal begrüßte den arroganten Wurm, der Mara nach einer mehr als höflichen Vorstellung zu Boden pustete mit seiner Schwinge. Auch mit den anderen ging er nicht weniger arrogant um. Im Gegensatz zu meinen Freunden hatte ich kein Bedürfnis mit ihm zu fliegen. Die gepanzerte Hand lag auf der geweihten Waffe, wir würden unseren Weg gehen. Nach einem mehrminütigen Spielchen des Drachen bat Rohezal auf Grund der Dringlichkeit den Drachen um Nachsicht. Er ließ alle aufsteigen oder vielmehr Shiahan, Mara und Lucio. Thorben wurde mal wieder zwischen den Krallen gehalten, als es Richtung Amboss ging. Zum Glück kannte ich die Gegend, zwar nicht aus der Perspektive, aber ich würde sie schon finden.
Mein Weg führte mich zu einem kleinen Pavillon, wo mich keiner sehen konnte. Aber aktuell hatten alle eh nur Augen für den großen Drachen, der sich mit lauten Flügelschäden über die Stadt erhob. Wem fiel da schon ein Zwerg auf, der sich in dem Pavillon niederkniete um zu beten oder ein Schwarzmilan der zufällig in die gleiche Richtung flog wie der Drache. Die Landschaft unter mir zog schnell dahin und auch wenn die Winde günstig standen. Gerade am Gebirge hatte ich arge Mühe dem Drachen zu folgen, im Gegensatz zu ihm flog ich nicht über die höchsten Gipfel, sondern durch die Pässe und Täler. Es würde mich einige Zeit kosten, aber meine Kräfte waren nicht unendlich.
Meine Gefährten berichteten voller Begeisterung später von ihrem Flug und wie Faldegorn sie mehr oder weniger sanft zu der Alm brachte. Thorben wurde einige Meter über dem Boden fallengelassen, schaffte es aber sich unverletzte abzurollen und sah nur entsprechend dreckig aus. Rohezal schlug sanft mit dem Stab gegen den sich immer wieder verbergenden Turm und eine Tür offenbarte sich. Heraus kam Rohana, seine Tochter. Sie berichtete, dass die Wiesen voller Schmetterlinge und Vögel waren, dass irgendwer gekommen war, aber schon wieder verschwunden war. Doch das schien Rohezal nicht zu beunruhigen, er meinte Rohal müsste den Kreis der Elemente mehrfach durchlaufen.
Rohana hatte nicht übertrieben, die Wiese war voller Vögel, Schmetterlinge, unzählige Arten und auch zahlreiche Mindergeister aus Erz und Luft wirbelten und krabbelten herum. Sie alle schienen zu warten, denn sie ließen sich nicht von meinen Gefährten, den beiden Bewohnern des Turms oder durch den großen Drachen aufscheuchen oder irritieren. Ich sah die Szenerie und landete hinter der Hüte und legte die Gestalt des fliegenden Jägers ab. Mir war von dem Rausch des Fliegens und der erneut verbrauchten Kraft meines Herren leicht schwindelig, wie nach einem langen und guten Zechgelage.
Wie eine welle aus reiner Kraft und Energie traf es und, wirbelte die kleinen Kreaturen durch die Luft und dann war alles vorbei, die Tiere beruhigten sich und als sie wieder landeten stand Rohal auf der Wiese, als wäre es das normalste der Welt, als wäre er nie weggewesen. Die Ähnlichkeit der beiden Brüder war nicht zu leugnen, die buschigen Augenbrauen waren besonders prägnant. Seine Stimme war uralt und doch so sanft, so klar und seine Worte brachten Hoffnung.
„„Unvermeidlich war es, dass er dereinst zurückkehren würde. Stets vermochte ich ihn nur mit jener Kraft zurückzuwerfen, mit der er selbst gegen mich antrat. Und diese Kraft wuchs mit jedem unserer Zusammentreffen. Doch beim letzten Male genügte sie nicht, um mehr denn einige Jahrhunderte zu überbrücken. Das entscheidende Ringen aber steht nun bevor. Als ich ihn in den Limbus schleuderte, ging er mir voraus. Nun ist es an mir, ihm zuvorzukommen und jenen Ort zu betreten, der allein mir bestimmt ist – auf dass auch er den Ort finde, der einzig ihm vorgezeichnet ward. Unser Kampf währt länger, als die Menschen zu ahnen vermögen – ja, länger selbst, als ich in diesem sterblichen Leibe zu ermessen imstande bin. Und doch hat am Ende stets er den Kürzeren gezogen. Wieder und wieder habe ich verkannt, welch große Bedeutung dieses Ringen für ihn trägt, und so vermochte er mich zu überraschen. Doch auch er unterschätzte stets aufs Neue die Welt, die er zu gewinnen trachtet – und eben diese Welt war es, die ihn überraschte. So vernehmet mein Wort: Borbarad wird fallen.“
„Borbarad wird fallen !“ Dieser Satz klang mir immer und immer wieder nach. Es war ein Versprechen, eine Prophezeiung und hatten sich nicht alle Weissagungen Rohals erfüllt ? Diese Worte machten unglaublich Mut und machten die Last leichter, die ich mit mir Trug und ich glaube, meinen Gefährten ging es ebenso. Wir hatten kaum die Gelegenheit mit dem Weisen zu sprechen, da nahm er seine Kappe ab und überreichte sie Lucio.
„Mein Bruder trieb ein halbes Jahrtausend im zeitlosen Limbus. Um ihm diese Spanne zurückzugeben, hat man sie Satinav geraubt. Das richtet die Waage zugunsten Borbarads – doch nicht zugunsten der Welt und nicht zugunsten Satinavs. Mag Borbarad seiner Zeit um ein halbes Jahrtausend voraus sein – seine Stunde wird dennoch schlagen. Ja, sie ist bereits unterwegs. Findet sie. Findet Borbarads Zeit – und gebt ihr dies, auf dass sie Borbarad finde.“
Dann ging alles so schnell. Es wurde dunkel, schwarze Wolken bedeckten den Himmel und quollen wie schwerer Rauch über die Berggipfel, nur wenige Schritte vor uns riss die Welt auf und das Wabern des Limbus wurde sichtbar und der Dämonenmeister trat heraus, gekrönt mit der siebenstahligen Krone. Selber Rohal erbleichte bei diesem Anblick und er war erschrocken über dessen Verderbnis und Wahnsinn. Es war, als würde die Zeit für uns langsamer laufen, als würden wir stillstehen und nur Zeugen sein dessen, was passierte. Ich sah die Haut meines Freundes Thorben sich mit Schuppen bedecken, langsam, Schuppe für Schuppe, ich sah, wie er wuchs, wie die Rüstung sich spannte und bald reißen würde. Das dritte Zeichen erwachte, er hatte ihm freie Hand gegeben für den Kampf gegen den Dämonenmeister. Lucios Auge schien von innen heraus zu leuchten, finster und tödlich und das Gesicht des Magiers war eine groteske Maske aus uraltem Hass, getrieben von Rache. Doch als das geschah so langsam und zäh, während die beiden Brüder diskutierten. Die Zeit lief für uns anders – zäh, wie in dickem Honig. Wir standen nur wenige Schritt entfernt und mussten zusehen, wie sich zwei Brüder gegenüberstanden, die längst keine Brüder mehr waren. Borbarad begann. Kühl, kontrolliert. Er sprach von der Widerwärtigkeit des sterblichen Leibes, von Begrenzung als Schwäche. Für ihn zählt nur Stärke. Wer Macht will, muss sie sich nehmen. Selbst von den Göttern. Rohal widersprach ruhig. Begrenztheit sei kein Makel, sondern Voraussetzung für Erkenntnis. Wissen ohne Maß führe ins Verderben. Er habe den Sterblichen Wissen gebracht – Borbarad hingegen nur Anspruch erhoben. Dann ging es um die Gorische Wüste. Rohal hatte ihn einst in den Limbus geschleudert. Nie zuvor war einer von beiden so weit gegangen. Rohal sagte offen: Möglich war das nur, weil Borbarad sich bereits den Niederhöllen verschrieben hatte. Borbarad leugnete das nicht. Die sieben Pakte seien kein Makel, sondern Beweis seiner Entschlossenheit. Er sehe sich nicht mehr als Bruder, sondern als Gestalter eines neuen Zeitalters. Rohals Bann habe ihn nicht vernichtet, nur verzögert. Kein Geschrei. Keine wilden Gesten. Nur zwei Überzeugungen, die unvereinbar waren: Rohal steht für Maß und Verantwortung. Borbarad für Macht ohne Grenze. „ROHAL SEI ICHT MEHR!“ Wir hörten jedes Wort. Konnten aber nicht eingreifen. Diese Worte waren mit so einer Macht, es riss und alle von den Füßen, selbst der Kaiserdrache wurde zum Spielball dieser elementaren Explosion reiner Kraft. Unzählige kleine Kreaturen auf der Wiese wurden ausgelöscht und mit ihnen Rohal der Weise. Langsam kamen wir wieder auf die Beine, rappelten uns auf, da traten riesige Dämonen aus dem Limbus und Borbarad zeigte auf uns. „BRINGT MIR DIESE KAPPE“ und die Dämonen stürmten los.
Wir haben in den letzten Jahren manchen Kampf geschlagen und ich dachte, es würde kaum härter werden können, doch diese Dämonen waren unglaublich. Es waren Zants, die größer und breiter waren, eine riesige Krabbe mit einem Panzer aus Stahl, glühenden Scheren und viel zu vielen Hörnern. Auch wenn ich diesem Drachen nicht traute, war ich froh, dass er Shiahan zur Seite stand, als dieser von der Krabbe angegriffen wurde. Borbarad betrachtete alles als Schauspiel, während wir um unser Leben kämpften. Kaum war die Zeit wieder die unsere erscholl neben mir das urtümliche Brüllen des Leviathan Turrak. Thorbens Krötenhaut hing an der riesigen Echse wie ein Halskragen. Die neue Axt wirkte in der Hand des Leviathans wie ein Spielzeug. Ich spürte diese Verwandlung trennte mich einen weiteren Schritt von meinem Freund. Doch mir blieb keine Zeit zum Trauern, denn auch auf Mara und mich stürmte jeweils ein solcher riesiger Zant zu. Keiner von uns blieb ohne Schaden, doch angesichts dessen, was uns hier Angriff, war es ein Wunder, dass wir standhielten und nach und nach Boden gut machen konnten. So schwer es mir auch fiel es einzugestehen, ohne den verdammten Drachen wären wir nicht so gut davon gekommen. Dennoch nahm er keine Rücksicht, als er den Zant mit dem ich im Zweikampf war in Flammen hüllte und mich mit verbrannte. Ich spürte die Hitze, meine Haut brannte und das Metall meiner Rüstung glühte. Dann traf mich der Zauber des Dämons und eine Welle des Schmerzes ließ mich zu Boden gehen und Schreien. Ich hoffe die stinkende Flugechse glaubt jetzt nicht, dass es sein Werk war, weswegen ich meine Selbstbeherrschung verlor. Dämonenzauber war es ! Bei Angrosch!
Doch wir gewann die Oberhand, Dämon um Dämon fiel und dann war der Weg auf Borbarad frei. Lucio schleuderte eine Flammenlanze auf den Dämonenmeister, als dieser ihm den Rücken zudrehte und Richtung Portal ging. Dort der Zauber wurde zurückgeworfen und traf Lucios Gesicht, viel mehr das Auge und hüllte auch ihn in Flammen ein. Faldegorn stieg erneut auf und griff Borbarad an, doch er wurde wie eine lästige Fliege zur Seite geschlagen, knallte krachend gegen den unsichtbaren Turm und blieb liegen.
Borbarad trat durch das Portal in den Limbus und verschwand.